Hintergrund

Sexueller Kindesmissbrauch ist eines der schlimmsten Verbrechen. Doch nicht jeder Sexualstraftäter ist pädophil und nicht jeder Pädophile begeht sexuellen Kindesmissbrauch. Während Pädophilie die sexuelle Ansprechbarkeit auf Kinder darstellt, beschreibt der Begriff „sexueller Kindesmissbrauch“ eine juristisch relevante Straftat. Studien zufolge sind ungefähr 40 Prozent der sexuellen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche auf einen pädophilen Motivationshintergrund zurückzuführen. Etwa 60 Prozent sexueller Übergriffe sind sogenannte Ersatzhandlungen. Das heißt, die Täter sind eigentlich sexuell auf erwachsene Sexualpartner ausgerichtet, begehen aber Kindesmissbrauch, beispielsweise aufgrund einer Persönlichkeitsstörung. 

Um therapeutische Präventionsmaßnahmen für potentielle Täter zu etablieren, bevor es zu sexuellen Übergriffen kommt, wurde 2005 das Projekt „Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs im Dunkelfeld“ („Kein Täter werden“) am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité ins Leben gerufen. Es bietet – mittlerweile an elf deutschen Standorten im Netzwerk „Kein Täter werden“ – ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung, um mit ihrer sexuellen Neigung leben zu lernen und sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen (sogenannte Kinderpornografie) zu verhindern.

Das Interview, das Vorlage für den Film STIGMA war, wurde 2015 in den Räumlichkeiten der Charité mit einem ehemaligen Patienten geführt.

Die gesellschaftliche Synonymisierung von sexueller Neigung (Pädophilie) und sexuellem Kindesmissbrauch sorgt dafür, dass betroffene pädophile Menschen stigmatisiert werden und sich aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung und Ausgrenzung isolieren. Folgen sind in der Regel unter anderem Depressionen und soziale Einsamkeit. Dies wird durch zahlreiche Studien belegt. Soziale Einsamkeit gilt jedoch laut Forschung als Risikofaktor für das Begehen tatsächlicher sexueller Missbrauchshandlungen. Gesamtgesellschaftliches Ziel sollte es sein, Menschen nicht aufgrund ihrer Neigung zu verurteilen. Niemand ist schuld an seiner sexuellen Ausrichtung, aber jeder verantwortlich für sein Verhalten!

Weitere Informationen unter kein-taeter-werden.de